Antworten von Jürgen Nimptsch

Präambel

Präambel

Ich verstehe Sozialpolitik nicht nur als Hilfe für Benachteiligte. Sozialpolitik in der Kommune nimmt auch Bereiche in den Blick wie Wohnqualität, Arbeitsplatzangebote, Betreuungsmöglichkeiten für Jung und Alt, Freizeitgestaltung, kulturelle Angebote, Abgabenlasten für die Bürgerinnen und Bürger, Bildungsangebote, Hilfe durch Beratung und Information u.v.m.. Wie die hier bestehenden Spielräume genutzt und wo die Schwerpunkte gesetzt werden, wird auch durch das Verwaltungshandeln des Oberbürgermeisters bestimmt. Ich werde alles daran setzen, die erreichten Sozialstandards zu halten und dort, wo bereits Handlungsbedarf feststeht und wo sich Gestaltungsaufgaben für die Zukunft ergeben, den Charakter Bonns als „Soziale Stadt“ bewahren.

Armut

Wo sehen Sie Ansatzpunkte, die wachsende Zahl derjenigen Menschen, die auf Essensspenden angewiesen sind, zu reduzieren?

Wo sehen Sie Ansatzpunkte, die wachsende Zahl derjenigen Menschen, die auf Essensspenden angewiesen sind, zu reduzieren?

Die Ansätze für den Regelsatz der SGB II-Leistungen sind zu gering bemessen. Zuständig für eine Änderung ist die Bundesregierung. Die Kommunen haben darauf keinen unmittelbaren Einfluss. Tatsache ist aber, dass wir vor allem Kinder und diejenigen absichern müssen, die keine Chance auf Arbeit haben. In diesem Jahr steigen die Regelsätze zusammen mit den Renten um 2,5 Prozent. Im nächsten Jahr werden wir eine Anpassung der Regelsätze entsprechend der Verbraucherstichprobe haben. Es ist zu hoffen, dass die Regelsätze dann die tatsächlichen Lebenshaltungskosten besser abbilden. Denn auch ich bin der Meinung, daß die Ansätze für den Regelsatz der SGB II-Leistungen zielgenauer bestimmt werden müssen. Bei den Kinderregelsätzen wurde mit der Verbesserung der Leistungen für 7-13jährige schon eine richtige Entwicklung eingeleitet. Ebenso die Wohngeld- und Kinderzuschlagverbesserungen sind richtig.
Im Gegensatz zu vielen anderen Städten und Gemeinden gibt es in unserer Stadt den „Bonn-Ausweis“, der den Betroffenen einige Vergünstigungen bietet. Ich glaube, dass es in Deutschland zu wenige Kommunen gibt, die Vergleichbares bieten. Ich werde sicherstellen, dass in Bonn jedes bedürftige Kind ein warmes Mittagessen in der jeweiligen Bildungseinrichtung erhält und nicht im privaten Rahmen auf Essensspenden angewiesen ist. Die Entscheidung über die Bedürftigkeit wird ggf. tagesaktuell in der jeweiligen Einrichtung zu treffen sein; dies muss einhergehen mit einer stärkeren Dezentralisierung der Verwaltungsstruktur. Mein Dank gilt hier besonders den vielen ehrenamtlichen Menschen, die zum Beispiel bei der „Bonner Tafel“ arbeiten und damit zahlreichen Menschen eine zusätzliche Hilfe geben.

Das Land unterstützt eine Sozialberichterstattung als eine wichtige Planungs- und Entscheidungshilfe für die Sozialpolitik. Was halten Sie von diesem Instrument für Ihre Kommune/Ihre Region?

Das Land unterstützt eine Sozialberichterstattung als eine wichtige Planungs- und Entscheidungshilfe für die Sozialpolitik. Was halten Sie von diesem Instrument für Ihre Kommune/Ihre Region?

Eine umfangreiche abstrakte Sozialberichterstattung ist allein nur wenig dienlich, wenn sie nicht im Sinne einer Evaluierung um Controlling-Aspekte ergänzt wird. Der vorliegende Bericht des Amtes für Soziales und Wohnen vom April 2009 erfüllt diese Anforderungen. Er gibt Hinweise auf erfolgreiches Verwaltungshandeln und auf noch vorhandene Schwachstellen, so dass Politik und Verwaltung die Möglichkeit zur konkreten Gegensteuerung haben.

Wo sehen Sie die besten Ansatzpunkte, um eine Verbesserung der Erwerbsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose zu erreichen? Welchen Beitrag sollte aus Ihrer Sicht die Politik in der Region dabei übernehmen?

Wo sehen Sie die besten Ansatzpunkte, um eine Verbesserung der Erwerbsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose zu erreichen? Welchen Beitrag sollte aus Ihrer Sicht die Politik in der Region dabei übernehmen?

Eingliederungshilfen sind ein sinnvolles Element staatlicher Politik. Allerdings dürfen die lokal Handelnden nicht durch zu enge Vorgaben der BA reglementiert werden. Nur vor Ort können effektive Formen der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten (Kommune, ARGE, Träger) entwickelt werden Dort, wo eine „soziale Landschaft“ entsteht, können 1 Euro-Jobs ein sinnvolles weiteres Instrumente sein. Dies gelingt zum Beispiel im Second-Hand-Kaufhaus des SKM in Auerberg, wo Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen werden und wo ein Warenkreislauf entsteht. Ich werde mich darum bemühen, dass mehr von diesen guten Beispielen in Bonn entstehen und Modellprojekte bewerben.

Welche Angebote sozialer Beratung halten Sie für notwendig? Wie könnte eine effektive Förderung von Beratungsleistungen aussehen?

Welche Angebote sozialer Beratung halten Sie für notwendig? Wie könnte eine effektive Förderung von Beratungsleistungen aussehen?

Unabhängig von der Präventionsarbeit muss für Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, ein professionelles Beratungsangebot vorgehalten werden. Zur Ausweitung der Angebote und ihrer Qualitätsverbesserung wird es zunehmend darauf ankommen, bestehende Beratungsangebote, auch in Eigensteuerung, niederschwellig zu vernetzen. Ich bin den Wohlfahrtsverbänden für Ihre Arbeit dankbar und möchte mit ihnen darüber sprechen, wo sie Beratungslücken sehen und wie man sie schließen kann.
Auch um Planungssicherheit für die Träger zu schaffen, werde ich nach Steuerungsinstrumenten suchen, die eine verlässliche Orientierung bieten. Hier kommt in Betracht, besonderes Engagement und Transparenz durch Budgetzuweisung, Fallpauschalen und an Förderkriterien orientierten Leistungsvereinbarungen (Dokumentation und Evaluation) im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung der Kommune zu belohnen. Ich würde mich freuen, wenn sich hier durch Pilotprojekte neue Anstöße für eine Kultur ergeben, in denen Förderung als Prozess verstanden wird. Bewährte Einzelinstrumente im Beratungsangebot werden beibehalten („Bürgersprechstunde“), neue Ansätze einer „Feedback-Kultur“ können hinzukommen, wie z.B. ein „Stadt-Barometer“ im Internet, mit dem die Bürgerinnen und Bürger in die Arbeit von Politik und Verwaltung einbezogen werden.

Nach oben

Kinderarmut

Wie wollen Sie eine Versorgung aller Kinder mit Mahlzeiten in Kindertageseinrichtungen und Schulen sicherstellen?

Wie wollen Sie eine Versorgung aller Kinder mit Mahlzeiten in Kindertageseinrichtungen und Schulen sicherstellen?

Wie müsste Ihrer Ansicht nach die Gesundheitsvorsorge in den Einrichtungen ausgebaut werden? Wie wollen Sie eine frühzeitige und nachhaltige Förderung von Kindern weiter entwickeln?
Auf Bundesebene hat die SPD ein Schulbedarfspaket durchgesetzt – jedes Kind, das im Sozialgeldbezug ist, bekommt pro Jahr 100 Euro für Schulausstattung. Die SPD-Ministerien in der Bundesregierung unterstützen uns im Kampf gegen Kinderarmut. Von Landesseite erwarte ich, daß die CDU/FDP-Landesregierung die volle Lernmittelfreiheit umsetzt.
Der SPD Parteivorstand hat unter Mitwirkung von Bärbel Dieckmann einen Aktionsplan zum Kampf gegen Kinderarmut beschlossen, der auch für mich Richtschnur ist. Vieles davon haben wir in Bonn bereits umgesetzt.
Bonn hat das Programm „Kein Kind ohne Mahlzeit“ bereits im Alltag gelebt, noch bevor es von der Landesregierung entwickelt wurde. Wie segensreich der „Bonn-Ausweis“ ist, wird zum Beispiel in Einrichtungen deutlich, in denen bedürftige Kinder aus Bonn ein kostenloses Essen erhalten, die bedürftigen Kinder aus einer Nachbargemeinde diesen Anspruch aber nicht geltend machen können.Mit dem kostenlosen Essen verbunden werden muss eine intensive Beratungsarbeit der Einrichtung mit den Eltern, z.B. zu Fragen der Gesundheit und Ernährung. Bestehende Modelle von „Erziehungsverträgen“ der Familienzentren mit Elternhäusern, in die auch die Wahrnehmung frühkindlicher Untersuchungen integriert werden kann, sollen weiter entwickelt werden. Die ab dem 01. Juli 2009  eingesetzten Beschäftigten des Jugendamtes, die allen nicht eingehaltenen Untersuchungen nachgehen, muss evaluiert werden und kann, ebenso wie die Familienhebammen, zum Modell weiterer Arbeit werden.
Ich will erreichen, dass jedes Kind in Bonn einen Kindergarten besucht und werde daher prüfen, ob das im Zuge des ständigen Ausbaus der Angebote additiv entstandene Gebührensystem über alle Einrichtungen hinweg übersichtlicher und gerechter strukturiert werden kann. Das Ziel der völligen Beitragsfreiheit kann ggf. in einem ersten Schritt im dritten Beitragsjahr erreicht werden. Diese Beitragsfreiheit würde allerdings nur dann gewährt, wenn das Kind auch das erste und zweite Kindergartenjahr besucht hat.
Zur Abrundung dieses Ansatzes wird es schließlich noch darum gehen, die bestehenden Planungen verschiedener Ämter (Schulamt, Jugendamt) in einem „Integrierten Kinder- und Jugendhilfeplan“ zusammenzufassen, der die kommunalen Angebote und Vorhaben von der Geburt bis zur Volljährigkeit beschreibt.

Nach oben

Menschen mit Behinderungen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis

Wollen Sie eine wirkungsvolle Umsetzung schulischer Integration von Kindern mit und ohne Behinderung auch über die Grundschulzeit hinaus gewährleisten? Wenn ja, wie sollte dies realisiert werden?

Wollen Sie eine wirkungsvolle Umsetzung schulischer Integration von Kindern mit und ohne Behinderung auch über die Grundschulzeit hinaus gewährleisten? Wenn ja, wie sollte dies realisiert werden?

Ich leite seit 12 Jahren die größte Bonner Schule, die seit 25 Jahren den „Gemeinsamen Unterricht“ durchführt und damit bundesweit über das größte Erfahrungswissen bei der Integration von behinderten und nicht behinderten Kindern verfügt. Die UN-Konvention gibt seit 2009 allen Bildungseinrichtungen die Barrierefreiheit auf. Die Einrichtungen müssen den Bedürfnissen der Kinder folgen und nicht denen ihrer  Institution. Derzeit erarbeitet die Stadt ein Konzept, mit dessen Hilfe mehr integrativer Unterricht in allen Bildungseinrichtungen möglich werden kann. Bestandteil dieses Konzepts muss sein, wie der „Gemeinsame Unterricht“ eingeführt und wie „Soziales Lernen“, unter Einbeziehung der Elternhäuser, organisiert werden kann. Im Zuge regionaler Entwicklungsarbeit kann die Stadt Bonn dem Rhein-Sieg-Kreis entsprechende Hilfestellung und Beratung anbieten, da dort auf einem Null-Sockel aufgebaut werden muss.Die Umsetzung vollständiger Inklusion im Alltag, vor allem bei Bildung und im Erwerbsleben, ist eine Konsequenz aus der UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderung. Wir nehmen das als Kommune sehr ernst. Daher setze ich mich auch für die Weiterentwicklung des SGB IX zu einem sozialhilfeunabhängigen Teilhabegesetz ein, das die Standards zusammen mit den Leistungsansprüchen der Menschen mit Behinderung bundeseinheitlich regelt.

Wie sollte Ihrer Meinung nach der bedarfsgerechte Ausbau von barrierefreiem und eine notwendige Infrastruktur berücksichtigendem Wohnraum bzw. Wohnraumanpassung erfolgen?

Wie sollte Ihrer Meinung nach der bedarfsgerechte Ausbau von barrierefreiem und eine notwendige Infrastruktur berücksichtigendem Wohnraum bzw. Wohnraumanpassung erfolgen?

In Deutschland sind nur etwa ein Prozent aller Wohnungen barrierefrei. Das ist viel zu wenig. Erstes Ziel muss sein, dass Menschen mit Behinderungen in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben können bzw. in normalen Wohnungen wohnen können, die barrierefrei ausgebaut sind. Dies ist eine besondere Herausforderung für den Wohnungsbau und die Wohnungsbauförderung. Bonn soll sich hin zu einer inklusiven Stadt entwickeln.
Wir werden mehr öffentlich geförderten Wohnraum schaffen. Dazu ist erforderlich, dass sich das Land Nordhein-Westfalen nicht aus dem öffentlich geförderten Wohnungsbau zurückzieht. Auch die Umbaumittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau sind nicht nur für ökologische Maßnahmen einzusetzen, sondern auch für Wohnraumanpassung.

Wo sollten aus Ihrer Sicht Impulse gesetzt werden?

Wo sollten aus Ihrer Sicht Impulse gesetzt werden?

Ich werde die großen Wohnungsbaugesellschaften zu einem Gespräch einladen, in dem zu klären ist, wie Wohnungsanpassungen auch in ihrem eigenen Interesse durchgeführt werden.

Wodurch soll sich in der Region die barrierefreie Gestaltung von kulturellen Angeboten, Bildungs- und Sportangeboten auszeichnen?

Wodurch soll sich in der Region die barrierefreie Gestaltung von kulturellen Angeboten, Bildungs- und Sportangeboten auszeichnen?

Als UN-Stadt sind wir der Umsetzung von UN-Konventionen in besonderer Weise verpflichtet. Auch weil das Internationale Paralympische Komitee seinen Sitz in Bonn hat, ergibt sich eine besondere Verpflichtung, die Umgestaltung von Sportstätten in beispielhafter Weise vorzunehmen. Dies betrifft in naher Zukunft z.B. den Umbau des Sportparks Nord und die Umgestaltung des Frankenbades. Ich bin auch für die weitere Nutzung des Schwimmbades im Gustav-Heinemann-Haus, weil dieses Bad besonders gute Voraussetzungen für den Behindertensport hat. Ich werde die enge Zusammenarbeit mit allen Initiativen in diesem Bereich suchen.Im Bereich von Kultur und Bildung werden wir in naher Zukunft mit dem „Haus der Bildung“ eine Einrichtung bekommen, die behindertengerecht ist und eine barrierefreie Nutzung ermöglicht. Entsprechendes gilt für Renovierungen in bestehenden Gebäuden (Oper, Theater) oder Neubauten (Festspielhaus).

Wie möchten Sie die Bereitstellung entsprechender Informationen und Zugangsvoraussetzungen in „leichter Sprache“ unterstützen?

Wie möchten Sie die Bereitstellung entsprechender Informationen und Zugangsvoraussetzungen in „leichter Sprache“ unterstützen?

Als Lehrer habe ich Übung darin, komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen. Als Leiter einer nahezu inklusiven Schule verfüge ich über eine „barrierefreie Sprache“. Dies wird mir bei meiner Arbeit als Oberbürgermeister und Herausgeber von „amtlichen Mitteilungen“ von Nutzen sein. Gerne nehme ich das Angebot der in Bonn bestehenden Selbsthilfeorganisationen an, die in diesem Feld Beratungen durchführen.

Nach oben

Senioren

In welcher Weise wollen Sie Ihren politischen Beitrag zur Lösung dieses Problems leisten?

In welcher Weise wollen Sie Ihren politischen Beitrag zur Lösung dieses Problems leisten?

Es liegt mir fern, wie in der Frage impliziert, die demografische Entwicklung als „Problem“ anzunehmen. Dies gilt auch für Pflegebedürftigkeit. Erforderlich ist ein neues Altersbild in der Gesellschaft, das nicht von Vorurteilen geprägt ist. Die aufgrund des medizinischen Fortschritts und der verbesserten Lebensumstände gewonnen Jahre stellen vielmehr eine  angenehme Herausforderung dar, geht es doch darum, die längere Lebenszeit als Geschenk anzunehmen. Ältere Menschen verfügen über hohe emotionale und kommunikative Kompetenzen; sie besitzen einen einzigartigen Zugang zu jungen Menschen. Alter ist ein Prozess, der heute länger dauert als die Jugend. Auf die Rahmenbedingungen werde ich nur bedingt Einfluss nehmen können. Mir ist es wichtig, dass zunächst die Wohnungen, die zur Verfügung stehen, altersgerecht ausgebaut werden. Die bestehende Wohnberatung wird darüber hinaus im Einzelfall Hilfestellungen geben und auf Förderprogramme aufmerksam machen.

Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um ambulante Versorgungsstrukturen zu fördern?

Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um ambulante Versorgungsstrukturen zu fördern?

Das soziale Netz in Bonn ist bereits eng geknüpft. Menschen müssen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Die Wohlfahrtsverbände leisten hier hervorragende Arbeit, indem sie die notwendige Pflege auch aus fachlicher Sicht sicherstellen. Mit der Durchsetzung von Mindestlöhnen im Pflegebereich würde ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung und –verbesserung in den bestehenden Pflegeeinrichtungen geleistet werden können. Im Übrigen will ich mich für die Förderung von Nachbarschaften und für die Einrichtung von Nachbarschaftszentren einsetzen. Dezentrale Pflegeeinrichtungen in den Stadtteilen wären ein geeignetes Instrument, die Hilfe durch Freunde, Bekannte und Verwandte auch dann aufrecht zu erhalten, wenn die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung unvermeidlich ist.

Wie wollen Sie auf kommunaler Ebene bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum für ältere Menschen schaffen?

Wie wollen Sie auf kommunaler Ebene bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum für ältere Menschen schaffen?

Der Wohnungsbau in Bonn ist eine besondere Herausforderung in der Zukunft, zumal die Landesregierung offenbar beabsichtigt, sich  aus dem öffentlich geförderten Wohnungsbau zurückzuziehen. Wir werden uns u.a. mit der VEBOWAG intensiv bemühen, Wohnungspolitik in Bonn aktiv zu gestalten.
Außerdem gehe ich davon aus, dass Fördermittel, z.B. über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, auch von Bonner Bauherren angenommen werden, denn neben der energetischen Sanierung stehen auch Fördermittel für den altersgerechten Umbau zur Verfügung.

Nach oben

Integrationskonzept

Was sind für Sie die wichtigsten Aufgaben für eine gelingende Integration?

Was sind für Sie die wichtigsten Aufgaben für eine gelingende Integration?

Bonn ist eine Stadt der Vielfalt. Vielfalt ist eine Chance und wird, beim Einsatz der richtigen Steuerungsinstrumente, zur Stärke. Der Ausländeranteil in Bonn liegt über 14 Prozent. Und fast 29 Prozent der Bonnerinnen und Bonner haben eine Zuwanderungsgeschichte. In den jüngeren Jahrgängen und in manchen Stadtteilen liegt dieser Anteil noch höher. Darum gilt für mich: „Zuwanderung ist Tatsache, Integration ist gesellschaftliche Verpflichtung.“ – Darum bleibt Integration auch in Zukunft Chefsache und die Stabsstelle der Integrationsbeauftragten wird weiter bei mir angesiedelt sein.
Integration von Zugewanderten ist eine Querschnittsaufgabe. Ziel einer gelingenden Integrationsarbeit ist, dass auch die Zugewanderten gleiche Chancen zur gesellschaftlichen Teilhabe und zur persönlichen Entwicklung erhalten. Dabei steht für mich die Schaffung gleicher Bildungschancen im Vordergrund. Voraussetzung dafür ist die Beherrschung der deutschen Sprache. Wer in Schule und Beruf weiterkommen will, muss gut deutsch sprechen können. Ich befürworte eine verpflichtende Sprachstandsfeststellung schon zwei Jahre vor der Einschulung, damit die Kinder, bei denen Defizite festgestellt werden, durch eine gezielte Sprachförderung in die Lage versetzt werden, wenn sie in die Schule kommen, dem Unterricht auch folgen können.
Die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern in Schulen darf nicht segregierend wirken.

Wie werden Sie das Zusammenwachsen der verschiedenen Kulturen fördern und unterstützen?

Wie werden Sie das Zusammenwachsen der verschiedenen Kulturen fördern und unterstützen?

Bonn ist eine weltoffene Stadt. Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen bei uns zu haben, ist eine Bereicherung für alle. Von einer „deutschen Leitkultur“, wie sie manche propagieren, halte ich nichts. Die Basis für unser Zusammenleben ist unsere Verfassung, aus der sich Regeln und Gesetze ableiten, an die sich alle halten müssen. Mit den Migrantenorganisationen in unserer Stadt, die zum Zusammenwachsen der Kulturen wertvolle Arbeit leisten, will ich intensiv zusammenarbeiten.

Befürworten Sie ein Kommunalwahlrecht für Nicht-EU-Ausländer? Wenn ja/nein, warum?

Befürworten Sie ein Kommunalwahlrecht für Nicht-EU-Ausländer? Wenn ja/nein, warum?

Ich will, dass auch Nicht-EU-Ausländer in Bonn den Oberbürgermeister, den Stadtrat und die Bezirksvertretungen mitwählen können. Viele dieser Menschen leben und arbeiten seit Jahren in dieser Stadt, sie tragen zur ihrer Fortentwicklung und zu unser aller Wohlstand bei. Weil ich nicht will, dass sich in unserer Stadt „demokratiefreie Zonen“ entwickeln, setze ich mich auf allen Ebenen für die Einführung des kommunalen Wahlrechts auch für Nicht-EU-Ausländer ein.

Was schlagen Sie konkret vor, um die Situation von Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus zu verbessern?

Was schlagen Sie konkret vor, um die Situation von Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus zu verbessern?

„Menschen ohne Papiere“, die in einem – wie ich meine – menschenverachtenden Sprachgebrauch als „Illegale“ bezeichnet werden, verdienen besondere Fürsorge. Für mich gilt: „Jeder Mensch ist legal!“ „Menschen ohne Papiere“ sind im Prinzip rechtlos und können von ihren Arbeitgebern ausgebeutet werden. Sie gehen bei Krankheiten oft zu spät zum Arzt, um nicht entdeckt zu werden. Die mit der Reform des Zuwanderungsgesetzes erreichten kleinen Verbesserungen müssen ausgebaut werden. Ich bin dafür, dass sich unsere Stadt  gegenüber der Bundesregierung für die geregelte Aufnahme von Kontingentflüchtlingen einsetzt.
Beim Verwaltungshandeln wird es darauf ankommen, mit intelligenten und informellen Verfahrensstrukturen einen Beitrag zur Umsetzung dieser Ziele zu leisten.

Nach oben

Familie

Wie wollen Sie ein flexibles, vielfältiges und qualitätsvolles Betreuungs- und Bildungsangebot für Kinder von unter 3 Jahren bis zu 14 Jahren zukünftig weiter gestalten und sicherstellen?

Wie wollen Sie ein flexibles, vielfältiges und qualitätsvolles Betreuungs- und Bildungsangebot für Kinder von unter 3 Jahren bis zu 14 Jahren zukünftig weiter gestalten und sicherstellen?

Ich möchte, dass wir die Zahl der U-3-Plätze bis 2014 verdoppeln. Ich will, dass jedes Kind einen Kindergarten besuchen kann. Mein Ziel ist es, zunächst ein beitragsfreies drittes Kindergartenjahr anbieten zu können, sofern das Kind das erste und das zweite Kindergartenjahr besucht hat. Die Zahl von Plätzen an Offenen Ganztagsgrundschulen ist in Bonn jetzt schon groß. Die Nachfrage wächst aber ständig. Darum soll dieses Angebot in den nächsten fünf Jahren bis zur Vollversorgung ausgebaut werden. Auch der Ausbau des Ganztags in der Sekundarstufe I muss fortgesetzt werden. Das ergibt sich aus der hohen Nachfrage in den Grundschulen.

Welche Schritte werden Sie vor Ort einleiten, damit sich die Vereinbarkeit von Familienleben und Erwerbstätigkeit und die Gleichheit der Lebenschancen von Frauen und Männern verbessern?

Welche Schritte werden Sie vor Ort einleiten, damit sich die Vereinbarkeit von Familienleben und Erwerbstätigkeit und die Gleichheit der Lebenschancen von Frauen und Männern verbessern?

Das bedarfsgerechte Betreuungsangebot für Kinder ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Mütter und Väter Beruf und Familie miteinander in Einklang bringen können. Neben der Kommune sind auch die Arbeitgeber gefordert, mit denen in Einzelfällen ein intensiver Dialog gepflegt werden muss, um Fortschritte zu erzielen. Daneben werde ich mich dafür einsetzen, dass in Bonn überall gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird.

Wie wollen Sie ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum, insbesondere für Familien mit Kindern, schaffen und sicherstellen?

Wie wollen Sie ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum, insbesondere für Familien mit Kindern, schaffen und sicherstellen?

Da, wo wir es beeinflussen können, sollen Baugebiete für junge Familien konzipiert und ausgewiesen werden. Aber auch öffentlich geförderter Wohnraum muss erweitert werden. Wir haben heute in Bonn etwa 7.500 geförderte Wohnungen. Unser Ziel muss sein, die Zahl schrittweise auf 10.000 zu erhöhen. Dazu gehören auch generationenübergreifende Wohnprojekte.

Nach oben

Jugend

Wo und wie erleben Sie Jugendliche?

Wo und wie erleben Sie Jugendliche?

Ich erlebe täglich 1350 Kinder und Jugendliche. Sie stammen aus allen gesellschaftlichen Gruppen unserer Stadt, haben unterschiedliche Begabungen sowie sichtbare und nicht sichtbare Handicaps. Ihre Sorgen und Nöte sind mir bekannt und ich bin ihnen täglich behilflich, damit angemessen umzugehen und fördere sie nach Kräften. Ich weiß, wie man Kinder stark macht.

Welche Auswirkungen hat das auf Ihre politische Arbeit?

Welche Auswirkungen hat das auf Ihre politische Arbeit?

Ich bin für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an den sie betreffenden Entscheidungen und fördere ihre Partizipation.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, Jugendlichen ein Angebot zu bieten, das ihre Persönlichkeit fördert?

Welche Möglichkeiten sehen Sie, Jugendlichen ein Angebot zu bieten, das ihre Persönlichkeit fördert?

Die bestehenden Angebote will ich regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüfen lassen. Wir müssen uns immer wieder fragen, ob wir mit dem, was wir tun, auch die Zielgruppe erreichen, die wir im Auge haben. Dafür möchte ich die Bonner Jugendlichen zu einem kritischen Dialog einladen. Bei all diesen Aktivitäten sollten wir uns von dem Prinzip „Fördern und Fordern“ leiten lassen. Würden wir uns auf reine Aufenthalts- und Unterbringungsmaßnahmen beschränken, wäre das  Ziel, die Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, verfehlt.

Wie wollen Sie die Jugendförderung weiterentwickeln?

Wie wollen Sie die Jugendförderung weiterentwickeln?

Ich möchte in Zusammenarbeit mit den freien Trägern stadtteilbezogene Angebote, die wir haben, sichern, weiterentwickeln und ergänzen. Die besonderen Belange von weiblichen und männlichen Jugendlichen müssen angemessen Berücksichtigung finden. Jugendkonferenzen können dazu beitragen, den Bedürfnissen und Interessen von Jugendlichen besser Geltung zu verschaffen.

Haben Sie Vorschläge für besondere Maßnahmen in problembelasteten Stadtteilen/Ortsteilen?

Haben Sie Vorschläge für besondere Maßnahmen in problembelasteten Stadtteilen/Ortsteilen?

Ich möchte, dass insbesondere in solchen Stadtteilen Einrichtungen der Offenen Tür und Familienzentren zu neuen Nachbarschaftszentren weiterentwickelt werden. Ich glaube, dass wir so eine breitere Vernetzung der Beratungs- und Betreuungsangebote zur Verfügung stellen können. Hierbei kann auch das Quartiersmanagement zur Unterstützung von Nachbarschaftszentren und ehrenamtlichem Engagement eine produktive Rolle spielen. Feste und geregelte Strukturen, wie z.B. Vereine sie bieten, helfen den Jugendlichen dabei, Ankerplätze und Haltepunkte zu finden, von denen aus sie sich weiter orientieren können.

Welche Maßnahmen zur Verringerung der Schulabbrecherquote schlagen Sie vor?

Welche Maßnahmen zur Verringerung der Schulabbrecherquote schlagen Sie vor?

Stärken und Schwächen einer jeden Schülerin und eines jeden Schülers müssen früh erkannt werden, damit individuelle Förderung, Beratung und Berufswahlvorbereitung erfolgen kann. Schülerinnen und Schüler brechen ihre Schullaufbahn oft auch deswegen ab, weil ihnen die berufliche Perspektive fehlt. Auch in solchen Fällen bedarf es der individuellen Unterstützung vor allem in der Übergangsphase von der Schule in den Beruf. Maßnahmen zur Verhinderung von Schulabsentismus und der vom Regionalen Bildungsbüro verfolgte Ansatz der Lernbiographie ohne Brüche sind hier ebenfalls hilfreich. Neben den Lehrerinnen und Lehrern kommt hier insbesondere dem Einsatz von ehrenamtlichen Mentoren (Senior-Experts) eine wichtige Rolle zu. Mein politisches Ziel ist es, in den nächsten fünf Jahren die Abbrecherquote in Bonn zu halbieren.

Nach oben

Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements

Was zeichnet Ihrer Ansicht nach ein günstiges Klima für ehrenamtliches Engagement aus? Was wollen Sie als Politiker tun, um freiwilliges Engagement zu fördern?

Was zeichnet Ihrer Ansicht nach ein günstiges Klima für ehrenamtliches Engagement aus? Was wollen Sie als Politiker tun, um freiwilliges Engagement zu fördern?

Entgegen der Annahme, die Menschen seien zunehmend nur noch auf individuelle Selbstverwirklichung bedacht, ist das freiwillige, ehrenamtliche oder bürgerschaftliche Engagement über viele Jahrzehnte stabil geblieben. Hier übernehmen Menschen freiwillig Aufgaben, die niemand von ihnen verlangt oder erwarten darf. Für mich sind Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement Ausdruck der Freiheit des Einzelnen und seiner Verantwortung für die Gesellschaft. Es geht um Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität als allgemeine Werte und nicht um die Frage, ob der Staat durch ehrenamtliche Arbeit Ressourcen sparen könnte. Es ist vielmehr so, dass bei ehrenamtlicher Arbeit auf Ressourcen zurückgegriffen werden kann, die dem Staat überhaupt nicht zur Verfügung stehen, wie z.B. freie Zeiteinteilung und die Bildung von flexiblen lokalen Netzwerken. Freiwilligenagenturen können die Menschen darin unterstützen, ihren richtigen Platz für ehrenamtliches Engagement zu finden. Sie unterstürzen ihn darin, sich selbst neu zu erfahren und ermöglichen auch eigene Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung. Es wird bei der Würdigung dieser Arbeit durch die Kommune in besonderer Weise darauf ankommen, Lob und Anerkennung in kreativer Weise auszusprechen. Ich werde zusätzlich prüfen, ob durch stärkere Vernetzung der hier ansässigen Stiftungen ein Beitrag zur Förderung von Selbsthilfeaktivitäten erreicht werden kann.

Nach oben