12.09.11

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch: Rede zur Eröffnung des Beethovenfestes 2011.

Quelle: Jürgen Nimptsch/Presseamt der Stadt Bonn

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Westerwelle, sehr geehrte Frau Ministerin Schulze, sehr geehrte Frau Schmiel, verehrte Ehrengäste, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Beethovenfestes,

lassen Sie mich gleich zu Beginn den Künstlerinnen und Künstlern des heutigen Abends einen ganz besonderen Dank aussprechen. Es ist nämlich schon bemerkenswert, dass Anne-Sophie-Mutter und das Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von Manfred Honeck extra eine komplette Generalprobe für das heutige Konzert durchgeführt haben, an einem anderen aber vergleichbaren Ort und selbstverständlich vor ebenfalls sachverständigem Publikum. In Hamburg glaubt man zwar, die Aufführung vor einigen Tagen in der Laeiszhalle – Elbphilharmonie sei ein Konzert für die Hansestadt gewesen, in Wahrheit war es aber lediglich die Generalprobe für Bonn. Und ich muss sagen, die Reihenfolge: Generalprobe in Hamburg, Konzert in Bonn - das ist angemessen.

Wir werden heute Abend zwei Musikstücke hören, aus denen man für das Leben viel lernen kann. Wir werden sehen und hören, wie ein Dialog zu unterschiedlichen Ideen sehr leidenschaftlich ausgetragen wird und es dennoch oder gerade deswegen zu einem guten Ergebnis kommen kann. Im Violinkonzert von Mendelssohn gibt die Violine das Thema vor. Streicher und Bläser wollen ihr nicht so ohne weiteres folgen und variieren das ihnen vorgegebene Thema im Dialog mit der Violine daher nur sehr zaghaft;  das gesamte Orchester ist noch distanzierter und meldet sich daher dazwischen mit kurzen, aber bestimmten und gewichtigen, Tutti und eigenen Vorstellungen zu Wort. Die Violine wiederholt ihr Thema dann energischer, und die weltbeste Geigerin, die wir heute Abend zu Gast haben, ist bekannt dafür, dass sie diese Rolle zumeist voll auslebt. Im Verlauf des Konzerts geht dann aber auch die Violine einsichtig unter Begleitung des Orchesters auf Variationen ein, wendet sich dann mit einem neuen sehnsuchtsvollen Thema wieder an das Orchester und entwickelt schließlich die Melodie friedvoll mit diesem gemeinsam weiter, so dass beide am Ende zu einer heiteren Melodie zusammenfinden. Das kann ein Weg sein, wie man einen Dialog leidenschaftlich aber mit einem gemeinsamen Ziel und dem Willen zum einmütigen Ergebnis führen kann.
Wir dürfen uns in den nächsten 4 Wochen auf viele ähnliche, wunderbare Botschaften aus der Welt der Musik freuen; Botschaften, die uns unter dem Motto „Zukunftsmusik“ inspirieren können über die Zukunft nachzudenken, über die eigene Zukunft im privaten Glück und auch über die Zukunft unserer Stadt – der Beethovenstadt Bonn.

Ich bin deswegen sehr froh, dass ich heute, zu Beginn dieser 30tägigen Zeitspanne für Inspiration, ein Versprechen einlösen kann. Vor ziemlich genau 500 Tagen, im April 2010, musste ich feststellen, dass mein eigenes Herz nicht im selben Takt schlug wie das große Bonner Herz. Ich war für eine neue Beethovenhalle und musste doch – mit Wehmut – einsehen, dass dieses Projekt vorerst zurückgestellt werden musste. Denn es war nicht zu leugnen: zum einen hatten gar nicht alle potentiellen Partner aus der Wirtschaft Vorstandsbeschlüsse und konnten verbindliche Zusagen machen und zum anderen hatten wir selbst, die Stadt, gleich zwei große Probleme. Wir mussten, erstens, unseren Bürgerinnen und Bürgern erklären, wie wir unsere Finanzen in den Griff bekommen und wir mussten, zweitens, sagen können, wie das für die Zukunft der internationalen Wissenschafts-, Wirtschafts- und UN-Stadt Bonn so wichtige Konferenzzentrum aus der Insolvenz geführt und fertig gestellt werden kann, damit wieder Sicherheit und Zuversicht den Alltag unserer Stadt bestimmen können.

Das haben wir in knapp 450 Tagen geschafft. Stadtverwaltung und Stadtrat haben gut gearbeitet. Der Stadtrat hat im Juli mit dem Beschluss zum Doppelhaushalt 2011/12 und der mittelfristigen Finanzplanung bis 2015 einen Weg aufgezeigt, wie wir unsere eigene Stärke bei der Finanzplanung behalten können und er hat einstimmig den Weg festgelegt, wie wir bis zum Sommer 2013 zur Eröffnung des Konferenzzentrums gelangen können.

Ich habe immer mit kühlem Kopf gesagt: Wenn diese beiden großen Fragen zufriedenstellend beantwortet werden können, können wir das Thema einer neuen Konzerthalle wieder aufgreifen. Das ist heute der Fall. Bürgerschaft, Rat und Verwaltung sollten sich jetzt des Themas mit großer Kraft annehmen, weil wir sonst eine große, vielleicht die größte Chance für unsere Stadt und für unsere Kinder vertun würden. Wenn wir uns 2020, zum 250. Geburtstag unseres größten Sohnes, der Welt nicht als strahlende Beethovenstadt präsentieren, wird Wien das übernehmen - und das Geschäft machen. Wir haben bislang die Wirtschaftskraft, die in der Pflege des Erbes Beethoven liegt, nicht genügend beachtet oder nicht genügend beachten können, jedenfalls nach Aussage aller Sachverständigen aus der Wirtschaft allenfalls zu einem Bruchteil genutzt. Wir haben großartige und aufgrund des Alleinstellungsmerkmals einzigartige Chancen für weiteres Wirtschaftswachstum, für die Sicherung und Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, die uns auf der ganzen Welt niemand nehmen kann. Wem welches Unternehmen in Bonn in 50 Jahren gehört kann niemand sagen, aber dass Beethoven auch in 500 Jahren unser Sohn sein wird, das ist unverrückbar. Und dass Millionen auf der Welt bereit sind, seinetwegen nach Bonn zu kommen, wenn Angebot und Qualität stimmen, das ist allgemein unumstritten.

Meine Damen und Herren, wenn wir uns in unserer Stadt so umschauen, dann wissen wir, dass man alle 50Jahre auch einmal richtig investieren muss, sei es bei der Sanierung des Rathauses, des Stadthauses, der Brücken oder anderer Großprojekte. Und wir wissen alle, dass wir mit unserer ebenfalls 50 Jahre alten Beethovenhalle, die vielen von uns ja auch als dritte Beethovenhalle in unserer Stadt ans Herz gewachsen ist, wir wissen alle, dass wir mit dieser Halle, so wie sie jetzt ist, nicht die nächsten 50 Jahre zurechtkommen werden, wenn wir Ernst machen mit der internationalen Pflege des Erbes unseres größten Sohnes.

Ob die notwendige neue architektonische Lösung, also die neue Beethovenhalle, hier stehen wird und außen noch so aussieht wie jetzt aber innen ganz anders, ob sie auch außen ganz anders aussehen wird, oder ob sie vielleicht gar nicht hier, sondern da oder dort stehen wird, ob sie Neue Beethovenhalle, Festspielhaus, Konzerthalle oder Philharmonie heißen wird, das ist alles nachrangig und das werden wir alles zusammen herausfinden können, wenn wir uns denn einig sind in einem Punkt: Bonn braucht, wenn wir die Chancen als Beethovenstadt nicht vertun wollen, wir brauchen dazu auch eine andere architektonische Lösung – Bonn braucht eine neue Beethovenhalle.
 
Meine Damen und Herren, ob ein solches Vorhaben auf den Weg gebracht werden kann, wird letztlich von der Bürgerschaft bestimmt. Das Beethovendenkmal wurde von Bürgerinnen und Bürgern, sogar insbesondere von Nicht-Bonnern ermöglicht, diese Halle, unsere Dritte, ist massivem bürgerschaftlichem Engagement der 50er Jahre zu verdanken und auch die Wiederentstehung dieser wunderbaren „Beethoven-Festspiele“, die wir heute eröffnen geht auf das Engagement der Bürgerschaft zurück.

Ich werbe dafür: Lassen Sie uns jetzt mit den Partnern aus Bund, Land, unserer Sparkasse, dem Rhein-Sieg-Kreis und der Wirtschaft und mit der ganzen Bürgerschaft dieses Projekt anpacken. Dabei ist nicht entscheidend, ob der eine Partner jetzt vielleicht lieber seine Unterstützung für den Betrieb geben möchte und nicht für den Bau oder der andere sagt, erst müsse ein geschlossenes Gesamtkonzept vorliegen, bevor man den Gesamtvorstand beteiligt und vielleicht sei man auch gar nicht mehr dabei. Entscheidend ist allerdings, dass alle Partner in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung und das Bekenntnis aus Bonn erwarten „Ja – wir sind die Beethovenstadt“ und das gilt auch für den Bund, der seine 39 Mio Euro zur Stiftungsgründung ohne ein Bekenntnis der Stadt zur neuen Beethovenhalle nicht noch einmal von Haushalt zu Haushalt schieben wird.
Was die Leidenschaft angeht, mit der wir uns bei der Diskussion um die Standortfrage begegnen werden, können wir heute Abend nicht nur etwas von Mendelssohn mitnehmen, der uns den eben beschriebenen Weg für einen guten Dialog im Violinkonzert aufzeigt. Einen anderen Weg des Dialogs zeigt uns Mahler. Seine Sinfonie ist eine in zwei Tonarten, in a-moll und in cis-moll. Mahler hat sich immer leidenschaftlich dagegen ausgesprochen, seine Sinfonie nach einer dieser Tonarten zu benennen, auch wenn dies dennoch so gemacht wird. Er hat gesagt: „Warum soll denn eine Sinfonie nicht in einer anderen Tonart enden dürfen als sie begonnen hat?“ Ja, warum eigentlich nicht, könnte man sagen, erst recht, wenn es auch hier am Ende zu einem frischen Finale kommt.

Und warum, meine Damen und Herren, warum soll unser Dialog im kommenden Jahr nicht mit einem anderen Ergebnis enden dürfen, als man es sich selbst am Anfang vielleicht überlegt hatte? Bedeutsam ist nur eines: Die Bürgerschaft muss sich einig sein im Bekenntnis zur Beethovenstadt und zu einer neuen Beethovenhalle, für unsere Kinder, für unsere Jugendlichen, für die Erwachsenen. Wir brauchen ein Aufsehen erregendes Haus der Kultur für alle Generationen – für Beethoven und für uns.

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Abend, inspirierende Wochen mit und für Zukunftsmusik und uns allen einen guten Dialog, zu dem wir im Oktober alle Zahlen, Daten und Fakten liefern werden und an dessen Ende eine gute Entscheidung zum Wohl unserer Stadt stehen wird. Von Herzen alles Gute!

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